Willy-Brandt-Biografie
Dezember 1947

Ein Brief an Kurt Schumacher

Bereits im November hatte sich Willy Brandt mit dem SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher und mit Vorstandsmitglied Fritz Heine getroffen, um seine Aufgaben als Nachfolger von Erich Brost in der Funktion des SPD-Vertreters beim Alliierten Kontrollrat in Berlin zu besprechen. Doch nach einer Skandinavien-Reise Schumachers verzögert sich die definitive Zusage. „Parteifreunde“ in Schweden und Norwegen – allen voran Brandts Widersacher Kurt Heinig – verleumden ihn beim Chef der SPD. Schumacher zögert.

Brandt, der seine Stelle als Presseattaché der norwegischen Militärmission bereits gekündigt hat, drängt auf eine Entscheidung. Am 23. Dezember 1947 schreibt er einen Brief an Kurt Schumacher und legt seine Sicht der Dinge unmissverständlich dar. Er finde es besser, so Brandt, „einen Schlussstrich zu ziehen, als einen unklaren Zustand andauern zu lassen.“ Offen geht er auf die Neider unter den Emigranten ein, die ihm den Erfolg in seiner zweiten Heimat verübeln, der ihnen versagt geblieben ist. Ebenso deutlich beharrt Brandt darauf, sich „über neu auftauchende Fragen selbst den Kopf zu zerbrechen.“ Und er werde „nie im Voraus Ja sagen zu jeder Einzelformulierung, auch wenn sie von dem ersten Mann der Partei geprägt wird.“ Brandt wiederholt seine Zusage, die Linie des Parteivorstandes zu vertreten und schließt mit dem Satz: „Ich will mich nicht aufdrängen, ich sehe keine Veranlassung mich zu verteidigen, aber ich stehe zur Sache und zu meinem Wort.“

„Auf Schumacher macht der Brief sichtlich Eindruck. Der Parteivorsitzende schätzt Offenheit“, urteilt Brandts Biograf Peter Merseburger. Im Januar 1948 wird Willy Brandt als Vertreter des SPD-Parteivorstandes bestätigt.



Glossar

Suche

Kontakt | Impressum | Sitemap | Startseite

© 2005 Bundeskanzler- Willy- Brandt- Stiftung