Willy-Brandt-Biografie
Hintergrund
November 1943

Eine neue große „Internationale“

Seit Juni 1943 nennt sich der bisher als „Studienkreis“ getarnte Zirkel von Emigranten aus vierzehn Ländern „Internationale Gruppe demokratischer Sozialisten – Arbeitskreis für Friedensfragen“. Die bald geläufige Bezeichnung „Kleine Internationale“ benutzen seine Mitglieder nicht. Sekretär Brandt betont in seinem Rechenschaftsbericht 1944: „Wir haben nicht Internationale spielen wollen. Wir repräsentieren niemand sonst als uns selbst.“

Nachdem die „Kommunistische Internationale“ (Komintern) Mitte Mai 1943 von Stalin aufgelöst worden war, beschäftigt die Mitglieder des Arbeitskreises gleichwohl die Chance einer Wiedergeburt der „Sozialistischen Arbeiterinternationale“ (Zweiten Internationale) und deren künftige Rolle. Eine vierköpfige Gruppe mit Willy Brandt an der Spitze erarbeitet einen Entwurf für die Erneuerung des 1940 geendeten sozialdemokratischen Parteienbündnisses. Am 5. November präsentiert Brandt dem Arbeitskreis ein Papier, in dem eine unabhängige Internationale als eine über Europa hinausgehende und dem Frieden verpflichtete Organisation vorgestellt wird.




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