Erneute Kampfkandidatur gegen Franz Neumann
Am 9. Mai 1954 wählen die Delegierten des Berliner SPD-Landesparteitages ihren Vorsitzenden. Wie bereits 1952 tritt Willy Brandt gegen den amtierenden Vorsitzenden, Franz Neumann, an. Damals hatte Brandt nicht einmal ein Drittel der Stimmen erhalten und war entsprechend enttäuscht gewesen.
Doch die innerparteiliche Landschaft hat sich verändert. Brandt hat sich zum Sprecher derer entwickelt, die die Politik Ernst Reuters fortführen wollen. Zusammen mit seinem Berater Klaus Schütz ist er durch die Abteilungen und Kreise der Berliner SPD gezogen und hat Überzeugungsarbeit geleistet. Bei der Wahl erhält er 143 Stimmen – nur zwei weniger als Neumann. Rut Brandt erinnert sich: „Er war damit höchst zufrieden und meinte, dass das ‚persönlich viel besser ist, als wenn ich mit einer oder zwei Stimmen ‚gesiegt’ hätte. Es ging ‚fifty-fifty beim Vorsitz, eine Widerspiegelung der Scheidelinie, die quer durch die Partei geht’“.

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© AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung Franz Neumann, langjähriger innerparteilicher Gegenspieler Willy Brandt (1954) |