Erstes deutsch-deutsches Treffen in Erfurt
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© AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung Tausende DDR-Bürger jubeln Willy Brandt zu, als er am Fenster des Hotels Erfurter Hof erscheint |
Am 19. März 1970 trifft sich Bundeskanzler Willy Brandt mit dem Ministerpräsidenten der DDR, Willi Stoph, in Erfurt. Es ist das erste Mal, dass sich Regierungsspitzen der beiden deutschen Staaten begegnen. Brandt reist im Sonderzug an und wird auf seinem Weg durch die DDR von der Bevölkerung entlang der Bahnstrecke gegrüßt. Auf dem Bahnhofsvorplatz in Erfurt, wo der Bundeskanzler im Hotel Erfurter Hof logiert, haben sich mehrere Tausend Menschen eingefunden. Sie durchbrechen die Absperrungen der Volkspolizei und rufen „Willy, Willy“. Brandt weiß um die Brisanz der Situation, als er sich am Fenster zeigt und eine verständnisvolle, doch zugleich beruhigende Geste macht. „Ich war bewegt und ahnte, dass es ein Volk mit mir war“, schreibt er später.
Die Gespräche verlaufen nüchtern. Stoph verliest seine Standpunkte: völkerrechtliche Anerkennung der DDR, Austausch von Botschaftern, gemeinsamer Antrag auf Mitgliedschaft bei den Vereinten Nationen. Brandt verlangt praktische Erleichterungen für die Menschen. Er räumt ein, dass auch für die innerdeutschen Beziehungen die Prinzipien zwischenstaatlichen Rechts gelten müssten, eine völkerrechtliche Anerkennung schließt er aber aus. Einig ist man sich nur darüber, dass „von deutschem Boden nie wieder ein Krieg ausgehen darf“. Nach dem Treffen äußert Willy Brandt, dass beide Seiten sich „erst am Anfang eines langen Weges“ befänden.