Existenzsicherung
Nach dem Mauerbau ist es Brandts wichtigste Aufgabe, West-Berlin vor dem Niedergang zu bewahren. Durch die Schließung der Sektorengrenzen fehlen der Stadt täglich 50-60.000 Arbeitskräfte, die bisher zwischen Ost und West pendelten. Qualifizierte Fachkräfte und zahlreiche Firmen wandern aus West-Berlin ab.
Unter dem Stichwort „Ausbau zur Kulturmetropole“ geht der Regierende Bürgermeister in die Offensive gegen die drohende Isolierung. Der Bundestag verabschiedet 1962 ein Berlin-Hilfe-Gesetz, das durch eine Zulage den Zuzug junger Arbeitnehmer fördern und durch Steuervergünstigungen und Investitionshilfen Unternehmern und Investoren die Scheu vor dem politischen Risiko nehmen soll. Von „Zitterprämien“ sprechen die Berliner.
Auch auf personeller Ebene reagiert Brandt: Mit Karl Schiller macht er einen prominenten sozialdemokratischen Reformer zum Wirtschaftssenator; Heinrich Albertz wird Innensenator und Dietrich Spangenberg ist fortan Chef der Senatskanzlei.