Willy-Brandt-Biografie
Hintergrund
März 1933

Flucht nach Norwegen

Am 3. März 1933 löst der SAP Vorstand die Organisation auf. Einige Mitglieder widersetzen sich jedoch dem Beschluss und organisieren für den 11. März einen illegalen Parteitag in Dresden. Dort beschließen sie, die SAP weiterzuführen. Eine geheime Reichsleitung soll von Berlin aus den Widerstand gegen das NS-Regime organisieren.

Herbert Frahm reist für seinen Ortsverein nach Dresden. Er berichtet von der Lage in seinem Parteibezirk Mecklenburg: „Die einzige Ortsgruppe, die in unserem Bereich etwas taugt, ist Lübeck mit 75 Mitgliedern. Schwerin hat 25 und Rostock 25 Mitglieder. Von diesen Ortsgruppen haben wir aber seit langem nichts mehr gehört. (…) Auch bei uns ist der faschistische Terror unerhört groß. Die KPD hat aufgehört zu wirken. Wir müssen in die Bresche springen und die Führung der Kommunisten übernehmen. Jetzt zeigt sich, daß unsere kleine Gruppe bei der Arbeiterschaft Einfluß hat.“ Um die Untergrundorganisationen vom Ausland mit Material und Informationen zu versorgen, plant man den Aufbau von Stützpunkten in den europäischen Hauptstädten. Die Leitung der Pariser Zentrale übernimmt Jacob Walcher. Der Schriftsteller und Redakteur Paul Frölich soll in Oslo einen Stützpunkt errichten. Frahm wird mit der Organisation von Frölichs Flucht betraut. Er bittet den Lübecker Kommunisten Hans Bruhn, die Überfahrt von Fehmarn zur dänischen Insel Lolland vorzubereiten. Bruhn wird jedoch von einem ehemaligen Genossen verraten und schließlich am 24. März zusammen mit Frölich verhaftet.

Die Reichsleitung beauftragt nun Frahm, an Frölichs Stelle nach Oslo zu gehen. Daß es weder moralisch noch national eine Pflicht zum Dableiben gab, machte ich mir, im Angesicht von Morden und Selbstmorden, rasch klar. Eine Pflicht, zu bleiben und sich womöglich umbringen zu lassen, konnte es nicht geben.“




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