Willy-Brandt-Biografie
Oktober 1961

Gespräche in den USA

Im Oktober 1961 reist Willy Brandt nach New York, um den Freiheitspreis des Freedom House entgegen zu nehmen. Er nutzt die Gelegenheit zu „wichtigen Informationsgesprächen“ mit einflussreichen Persönlichkeiten. Mit Präsident John F. Kennedy führt er ein längeres Telefon-Gespräch.

Was Brandt in Amerika hört, gibt ihm Anlass zur Sorge. In einem Memorandum unterrichtet er Kanzler Konrad Adenauer und die Fraktionsvorsitzenden des Bundestages über den Inhalt seiner Unterredungen. Er registriert einen radikalen Kurswechsel der US-Regierung in der Deutschland- und Berlinpolitik. Immer deutlicher zeigt sich, dass die USA die Verantwortung der Alliierten für Gesamtdeutschland als erledigt ansehen und sich auf Garantien für die Bundesrepublik und West-Berlin beschränken.

Präsident Kennedy prüft eine faktische Anerkennung der DDR und fordert von den Deutschen, ihren Teil der Verantwortung für die Lage zu übernehmen. Er erwartet von der Bundesrepublik eigene Anstrengungen mit dem Ziel, die Beziehungen zu den Staaten Osteuropas zu verbessern – auch wenn die deutsche Frage nicht vorher gelöst wird.

Diese Forderungen stärken einerseits Willy Brandts eigene Haltung, bergen angesichts der Untätigkeit der Regierung in Bonn aber auch die Gefahr einer Krise der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Eine Situation, die der Regierende Bürgermeister von Berlin als bedrohlich für seine von sowjetischen Truppen umgebene Stadt empfinden muss.



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