Willy-Brandt-Biografie
Hintergrund
Dezember 1971

Gipfel des Jahrhunderts

Aus dem chinesischen Bürgerkrieg gehen die Kommunisten unter der Führung Mao Tse-tungs im Jahre 1949 als Sieger hervor. Mao proklamiert am 1. Oktober 1949 die Gründung der Volksrepublik China. Die nationalchinesische Regierung unter Chiang Kai-shek und deren Truppen ziehen sich auf die Insel Formosa (Taiwan) zurück. Die USA sind über den "Verlust" Chinas an die Kommunisten tief betroffen. Sie erkennen die nationalchinesische Regierung in Taipeh als alleinige Vertretung Chinas an. Die Regierung in Washington verhindert darüber hinaus die Aufnahme "Rotchinas" in die UNO und verhängt ein Handelsembargo gegen Peking.

Die USA und die VR China sind über mehr als zwei Jahrzehnte erbitterte politische Gegner. Im Korea-Krieg (1950-53) stehen sich beide Parteien sogar in einem bewaffneten Konflikt gegenüber. Die UdSSR ist zunächst der wichtigste Verbündete der Volksrepublik und schließt mit ihr 1950 einen Freundschaftspakt. Unterschiedliche ideologische Ansichten und Grenzstreitigkeiten führen Ende der 50er Jahre jedoch zu einem Bruch zwischen Peking und Moskau.

Ende der sechziger Jahre brechen offene Kämpfe an der umstrittenen Grenze zwischen der UdSSR und der VR China aus. Die Führung in Peking fühlt sich durch den Nachbarstaat zunehmend bedroht und will zum Ausgleich die Beziehungen zu den USA verbessern. Diese Bemühungen kommen der neuen außenpolitischen Strategie Washingtons entgegen. Die Regierung unter Präsident Richard Nixon will durch eine Normalisierung der Beziehungen zur VR China ebenfalls ihre strategische Position gegenüber der UdSSR verbessern und vor allem auch den Rückzug aus Vietnam sicherstellen.

Im Juli 1971 reist Henry Kissinger, der Sicherheitsberater des US-Präsidenten, zu ersten Geheimgesprächen nach China. Im Februar 1972 findet der "Gipfel des Jahrhunderts" statt: Präsident Nixon und Mao Tse-tung treffen sich in Peking. Sie vereinbaren die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern und schließen ein Handelsabkommen.

Im Oktober 1971 wird die VR China in die UNO aufgenommen. Sie erhält einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Taiwan, dessen Regierung und Bevölkerung diese Entwicklung verbittert hinnehmen müssen, verlässt die Generalversammlung der Vereinten Nationen. In der Folgezeit lassen auch immer mehr Verbündete der USA - darunter die Bundesrepublik Deutschland - Taiwan "fallen" und erkennen die VR China als alleinige Vertretung des chinesischen Volkes an.



Glossar

Suche

Kontakt | Impressum | Sitemap | Startseite

© 2005 Bundeskanzler- Willy- Brandt- Stiftung