Willy-Brandt-Biografie
Hintergrund
Mai 1949

Grundsatzrede

Am 8. Mai 1949 hält Willy Brandt, Vertreter des Parteivorstandes, einen Vortrag auf dem Landesparteitag der Berliner SPD. Sein Thema lautet: „Programmatische Grundlagen des demokratischen Sozialismus“. Die Rede ist „eine erste große öffentliche Standortbestimmung Willy Brandts im Nachkriegsdeutschland.“ (Daniela Münkel)

Brandt grenzt sich scharf vom totalitären Kommunismus ab und macht deutlich, dass Demokratie nicht Mittel zum Zweck, sondern unverzichtbare Voraussetzung für die Verwirklichung des demokratischen Sozialismus ist: „Darum sprechen wir nicht vom Sozialismus schlechthin, sondern vom demokratischen Sozialismus. In ihm vereinigen sich die Ideen der Freiheit, der Gerechtigkeit und der Ebenbürtigkeit.“ Und er ergänzt: „Die sozialdemokratische Partei ist die Trägerin der Vereinigung dieser Ideen in unserem Lande.“

Brandt weist bereits hier, wie er es auch in seiner Abschiedsrede als Parteivorsitzender der SPD 1987 tun wird, der Freiheit eine zentrale Position in seinem Denken zu: „Freiheit und Leben sind eins. Ohne Sicherheit der individuellen Rechtssphäre, ohne geistige Freiheit, ohne die moralischen Normen der Persönlichkeits-, Gemeinschafts- und Menschlichkeitswerte droht der Rückfall in die Barbarei. Nur durch Rettung der unersetzlichen Güter der abendländischen Kultur können wir Hoffnung hegen, zu höheren Formen menschlichen Zusammenlebens emporzusteigen.“

Die in der Öffentlichkeit bis heute wenig beachtete Rede zeigt eine Kontinuität im Denken Brandts über 1945 hinaus und dokumentiert gleichzeitig den Abschluss seiner Entwicklung vom Linkssozialisten zum demokratischen Sozialisten. Die zentralen Aussagen des Vortrags bilden die Grundlage für Brandts Reformpolitik als Kanzler der Bundesrepublik Deutschland.

 
© Archiv der soziales Demokratie der FES
Willy Brandt während seiner Rede auf dem Landesparteitag der SPD



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