In Gefangenschaft
Nach dem Einmarsch der Wehrmacht flieht Willy Brandt von Oslo aus nach Norden. Er gelangt nach Elverum, Nybergsund, Hamar, Lillehammer, in das Gudbrandsdal und von dort an die Westküste nach Åndalsnes, von wo er sich vor Luftangriffen weiter nach Norden an den Langfjord absetzt.
Am 2. Mai 1940 riegeln die deutschen Truppen dieses Gebiet ab. Brandt sitzt fest zwischen Meeresarm und 1500 Meter hohen, schneebedeckten Bergen. Er wandert weiter in ein Seitental und trifft bei dem Dorf Mittet auf etwa 50 norwegische Freiwillige. Unter ihnen entdeckt er seinen Freund, Paul Gauguin, Enkel des berühmten französischen Malers und Brandts Begleiter während seines Aufenthalts im Spanien des Bürgerkriegs. Gauguin erfasst sofort die Gefahr, in der Willy Brandt schwebt. Er gibt ihm seine norwegische Uniform und rät ihm, sich mit den anderen Norwegern von den Deutschen gefangen nehmen zu lassen.
Die List gelingt. Brandt lebt vier Wochen unerkannt als norwegischer Kriegsgefangener in einem Lager in Dovre im Gudbrandsdal. Mitte Juni wird er entlassen und mit Freifahrtschein, Gefangenensold und Entlassungspapieren in seinen „Heimatort Oslo“ geschickt.