Willy-Brandt-Biografie
Hintergrund
September 1973

Jom-Kippur-Krieg

Am 6. Oktober 1973 - dem heiligen Versöhnungsfest der Juden (Jom-Kippur) - greifen ägyptische und syrische Truppen Israel an. Der vierte israelisch-arabische Krieg (Jom-Kippur-Krieg) bricht aus. Israel gerät in schwere militärische Bedrängnis.

Neben ihren Armeen setzen die arabischen Staaten eine neue politische Waffe ein: Erdöl. Die arabischen Ausfuhrländer beschließen, ihre Erdölförderungen so lange erheblich einzuschränken, bis die von Israel besetzen Gebiete befreit und die "Rechte des palästinensischen Volkes" wiederhergestellt sind. Dazu heben die arabischen Länder, die einen großen Teil des Ölmarkts unter ihrer Kontrolle haben, den Ölpreis kräftig an. Gegen die USA und die Niederlande wird ein Lieferboykott für Erdöl verhängt. Die westlichen Industrieländern, die auf den Import des Rohstoffs angewiesen sind, sollen auf diese Weise unter Druck gesetzt werden, ihre Unterstützung für Israel aufzugeben.

Die Wirtschaft in den westeuropäischen Staaten und in vielen anderen Industrieländern gerät in eine schwierige Situation. Erdöl - in hinreichenden Mengen und billig verfügbar - bildet einen äußerst wichtigen Produktionsfaktor. Die Bürger - nicht zuletzt in der Bundesrepublik - werden sich schmerzlich bewusst, dass Energie ein knappes Gut ist ("Öl-Schock"). Als Sofortmaßnahmen zur Energieeinsparung ordnet die Regierung unter Bundeskanzler Willy Brandt vier autofreie Sonntage und zeitweise Tempobeschränkungen für den Kraftverkehr an; "Tempo 100" auf den bundesdeutschen Autobahnen wird für kurze Zeit Realität.

In der erheblichen Verteuerung der Energiepreise liegt eine der Ursachen für die weltweite Wirtschaftskrise, die in den Jahren 1974/75 hereinbricht. Im Jahre 1972 hat es in der Bundesrepublik nur etwa 20.000 registrierte Arbeitslose gegeben ("Vollbeschäftigung"). Ab 1974 steigt die Zahl der Arbeitslosen erheblich an.

In der Bundesrepublik und in den übrigen Industrieländern setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Energieversorgung auf längere Sicht nur gesichert werden kann, wenn erhebliche Anstrengungen unternommen werden, um neue Energiequellen - insbesondere die der Atomkraft - zu erschließen und vorhandene Energie wirtschaftlicher zu nutzen.
 
 




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