Münchener Parteitag der SPD
Vom 10.-14. Juli 1956 tagt der Bundesparteitag der SPD im Großen Kongresssaal des Deutschen Museums in München. Wie schon 1954 in Berlin, als er mit nur 155 von 366 Stimmen glatt durchfiel, kandidiert Willy Brandt wieder für einen Platz im Parteivorstand.
Nach der Wahl versammeln sich die 386 Delegierten zu einer Dampferfahrt auf dem Starnberger See. Das Wahlergebnis soll erst am nächsten Morgen bekannt gegeben werden. Doch die Beisitzer, die bei der Stimmenauszählung anwesend waren, verbreiten das Ergebnis bereits unter der Hand. Brandt erfährt von seiner Niederlage und ist tief getroffen. Nur 194 Stimmen. „Mit versteinertem Gesicht setzte er sich an einen der Tische“, schildert Brandt-Biograf Peter Koch die Situation. „Während die Genossen bei Bier und Schuhplattler langsam in Stimmung kamen, kullerten ihm dicke Tränen übers Gesicht.“ An seine Frau Rut schreibt Willy Brandt: „Ich bin sehr traurig, beinahe verzweifelt. Es ging schlecht in München. Man wollte mich auch diesmal nicht dabeihaben. … Ich komme wohl darüber hinweg, aber im Augenblick würde ich am liebsten Eremit werden.“ Rut Brandt ergänzt in ihren Erinnerungen: „Es war das letzte Mal, dass die Partei ihn zurückwies.“

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© AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung Willy Brandt während seiner Rede auf dem Münchner Parteitag
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