Willy-Brandt-Biografie
Mai 1964

Neue außenpolitische Konzepte

Schon lange hadert Willy Brandt mit der Außenpolitik der Bundesregierung, die er in seinen Erinnerungen als „dürr und einfallslos“ beschreibt. Auch gegen hartnäckige Widerstände propagiert er eine eigenständige deutsche Außenpolitik.

Im Hinblick auf die heftig umstrittene Außenpolitik des französischen Präsidenten de Gaulle sagt Brandt am 15. Mai in einer Rede vor der Foreign Policy Association in New York: „Das Gleichgewicht des Schreckens, ausbalanciert von den beiden Supermächten, gibt einen Spielraum, die starren Fronten in Bewegung zu setzen. Der französische Präsident macht hiervon auf seine Weise Gebrauch. Und manchmal frage ich mich als Deutscher: Warum eigentlich nur er?“

In der deutschen Presse verursachen Brandts Äußerungen einige Aufregung: Man wirft ihm vor, die an französischen Interessen orientierte Außenpolitik de Gaulles zu unterstützen. Brandt spricht von „ignoranter Kritik“ und versucht sein Anliegen vier Wochen später anlässlich eines Vortrags bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Bad Godesberg näher zu erläutern. Er betont, dass der Wille der Supermächte zu einer Transformation des Ost-West-Konflikts das Ende jeder „Alles-oder-Nichts“-Politik ebenso wie „einer krassen Schwarz-Weiß-Malerei“ bedeute. Die USA wolle „mehr als ‚Yes, Sir‘ hören ... Sie will, dass ihre Freunde mitdenken, mithandeln, gemeinsame Verantwortung tragen.“



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