Parteitag in Hannover
Mit den Worten „Andere Zeiten erfordern andere Männer“ empfiehlt Carlo Schmid auf dem Wahlparteitag der SPD in Hannover Willy Brandt als Kanzlerkandidaten. „Mit den unverbrauchten Energien der jungen Generation müssen unverbrauchte Kräfte ans Werk“, so Schmid, der sich vor wenigen Wochen selber noch Hoffnungen auf eine Kanzlerkandidatur machte, im „Appell von Hannover“.
Der Parteitag ist ganz auf Willy Brandt zugeschnitten. Die Delegierten küren ihn einstimmig zu ihrem Spitzenkandidaten. Seine große Rede schließt er so wie John F. Kennedy seine Wahlkampfreden: Er zitiert den Amtseid des Kanzlers und endet mit den Worten „so wahr mir Gott helfe.“ Der Parteitag feiert ihn mit minutenlangen Ovationen.
Doch so unumstritten Brandt als Wahlkampflokomotive ist, der unumstrittene Führer der SPD ist er – noch – nicht. Als Mann des rechten Parteiflügels galt er lange als Außenseiter. Bei den Wahlen zum Parteivorstand landet er mit 293 von 311 gültigen Stimmen nur auf Platz 22, weit hinter Fritz Erler, Carlo Schmid und dem hessischen Ministerpräsidenten Georg August Zinn.