Parteivorsitzender der SPD
Am 15. Februar 1964 wird Willy Brandt auf einem außerordentlichen Parteitag in Bonn-Bad Godesberg zum Nachfolger des verstorbenen SPD-Vorsitzenden Erich Ollenhauer gewählt. Brandt erhält 314 von 324 Stimmen und wird erneut als Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl 1965 nominiert. „Die Wahl Brandts zum SPD-Parteivorsitzenden war wenig umstritten, erfreute er sich doch wegen des engagierten Wahlkampfes von 1961 und durch seine Politik in und für Berlin einer Popularität wie keiner der anderen möglichen Kandidaten.“ (Siegfried Heimann)
Brandt wird dem Amt des Parteivorsitzenden in den nächsten Jahren seine eigene Prägung geben: Er pflegt einen kollegialen Führungsstil, der Entscheidungen im Diskussionsprozess und in Absprache mit Parteiführungskollegen wie Mitarbeitern vorbereitet. Die besondere Aufmerksamkeit Brandts gilt außerdem der Kommunikation mit den Parteimitgliedern: Neben den üblichen Reden und Aufrufen, die in den parteiinternen Publikationen veröffentlicht werden, leistet Brandt in Briefen „An die Mitglieder der SPD“ Überzeugungsarbeit und spricht die Basis der Partei direkt an.
Stellvertreter des neuen Vorsitzenden werden Herbert Wehner und Fritz Erler. Die Troika Brandt-Wehner-Erler wird sich in den kommenden Jahren trotz einiger Unstimmigkeiten bewähren und die SPD auf ihrem Weg zur Volkspartei voranbringen.