Willy-Brandt-Biografie
Mai 1956

Rede zu den innerdeutschen Beziehungen im Bundestag

Am 30. Mai 1956 begründet Willy Brandt im Deutschen Bundestag die von allen Fraktionen eingebrachte Große Anfrage an die Bundesregierung nach der „Entwicklung in der Sowjetzone und nach Möglichkeiten engerer Verbindungen zwischen den beiden Teilen Deutschlands“.

Brandt betont, der Bundestag wolle vor aller Welt klarstellen, dass er sich von einem festen Willen leiten lasse, das Leben im willkürlich gespaltenen Deutschland zu erleichtern und „sinnvoll wieder zusammenzufügen, was sinnlos auseinandergerissen wurde.“ Es gehe bei dieser Großen Anfrage nicht um die weltpolitische Frage der Wiedervereinigung, sondern einfach um die Existenz der Nation. Über die gesamtdeutsche Zukunft entscheide vor allem, ob es gelinge, ein Höchstmaß an Beziehungen zwischen den Menschen in diesem Volk aufrechtzuerhalten. Nicht das „brüderliche Gespräch“ mit irgendwelchen „Zonengewaltigen“ stehe dabei im Mittelpunkt, sondern das vielfältige innerdeutsche Gespräch mit der Bevölkerung, das die willkürlichen Grenzen aufweichen solle.

Trotz der engagierten Rede Brandts verläuft die sechsstündige Debatte enttäuschend. Der gesamtdeutsche Minister, Jakob Kaiser, liest die Antworten auf die von Brandt vorgetragenen 23 Fragen aus den Fraktionen vom Blatt ab. „Von den Wiedervereinigungsmatadoren Herbert Wehner (SPD) und Ernst Lemmer (CDU) abgesehen“, resümiert DER SPIEGEL, „blieb es Abgeordneten der zweiten Linie vorbehalten, die ‚brennende Sorge’ ihrer Fraktionen über die schicksalhafte Teilung Deutschlands darzulegen.“

 




Suche

Kontakt | Impressum | Sitemap | Startseite

© 2005 Bundeskanzler- Willy- Brandt- Stiftung