Willy-Brandt-Biografie
Hintergrund
November 1945

Rückkehr nach Deutschland

Am 8. November 1945 besteigt Willy Brandt auf dem Osloer Flughafen Fornebu eine Kuriermaschine der britischen Luftwaffe. Brandt ist auf dem Weg zum Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess. Er trägt eine norwegische Uniform und am Arm einen Streifen mit der Aufschrift „War Correspondent“. Dies haben die Alliierten den Berichterstattern vorgeschrieben. In Bremen betritt Brandt zum ersten Mal seit 1936, als er sich illegal in Berlin aufhielt, deutschen Boden.

Brandt ist ernüchtert: Die Zerstörungen findet er noch viel schlimmer, als er es sich nach den Bildern vorstellen konnte. Die politischen Perspektiven scheinen trostlos. Seine Freunde August und Irmgard Enderle, wie er von der SAP wieder in die SPD eingetreten und wenige Monate vor ihm in Deutschland eingetroffen, berichten vom Wiedererstehen der SPD der Weimarer Zeit. Sie empfinden die Parteimitglieder als „dumpf und gehorsam“ gegenüber den „uralten Größen von einst“.

Der von den Amerikanern eingesetzte Bremer Bürgermeister Wilhelm Kaisen überlässt Brandt seinen Dienstwagen samt Chauffeur, damit er auch ohne Passierschein seine Mutter in Lübeck besuchen kann. Zehn Jahre nach ihrem letzten Treffen in Kopenhagen können sich Mutter und Sohn wieder in die Arme schließen.




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