Rücktritt

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© RegierungOnline/Wegmann Willy Brandt auf einer Wahlkampfveranstaltung im Braunschweiger Kohlebergwerk im April 1974. Links hinter ihm (mit Sonnenbrille) sein persönlicher Referent Günter Guillaume
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Am 1. Mai 1974 sucht Klaus Kinkel, persönlicher Referent von Innenminister Hans-Dietrich Genscher, Willy Brandt auf und überbringt ihm ein Dossier des Chefs des Bundeskriminalamtes, Horst Herold. Darin sind die Aussagen der Sicherheitsbeamten gesammelt, die sich ausschließlich mit seinem Privatleben beschäftigen. Willy Brandt weiß aus den vergangenen Wahlkämpfen, was es heißt, im Mittelpunkt einer bösartigen Medienkampagne zu stehen. Auch Herold und der Präsident des Bundesverfassungsschutzes, Günter Nollau, sehen diese Gefahr und befürchten darüber hinaus die Erpressbarkeit der Regierung durch die DDR. Nollau begibt sich umgehend zu Wehner und rät ihm, den Bundeskanzler zum Rücktritt zu bewegen.
Am 4. Mai treffen sich die Spitzen der SPD und der Gewerkschaften zu turnusmäßigen Beratungen in Bad Münstereifel. Dort kommt es abends zu einem einstündigen Gespräch zwischen Brandt und Wehner. Vermutlich weil Wehner nicht ausdrücklich vom Rücktritt abrät, entschließt sich Willy Brandt zur Aufgabe seines Amtes. Am nächsten Morgen verkündet er den anwesenden Spitzenpolitikern der SPD seinen Entschluss.
Sein Rücktrittsschreiben, datiert auf den 6. Mai, übergibt er um 23.35 Uhr dem Chef des Kanzleramtes, der es dem in Hamburg weilenden Bundespräsidenten überbringt. Darin übernimmt Willy Brandt die politische Verantwortung für die Fahrlässigkeiten in der Guillaume-Affäre. Am 7. Mai 1974 um Null Uhr gibt der NDR den Rücktritt Willy Brandts als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland bekannt.