Sozialfaschismus-These

 
 
 

Die Sozialfaschismus-These war eine politische Doktrin der KPD in den 1920er und der ersten Hälfte der 1930er Jahren, derzufolge die Sozialdemokratie der „linke Flügel des Faschismus“ sei. Die SPD wurde als wichtigste Stütze der bürgerlichen Herrschaft und damit als Hauptfeind auf dem Weg zur proletarischen Revolution angesehen.
Neben dem Sozialfaschismus unterschied die KPD noch andere Formen des Faschismus (z. B. den „Zentrumsfaschismus“). Sie verglich den Nationalsozialismus mit der bürgerlichen Herrschaft und begriff beide nur als verschiedene Spielarten des Faschismus. Damit verkannten die Kommunisten das qualitativ Neue am Nationalsozialismus.
1929 intensivierte die KPD ihren Kampf gegen die als sozialfaschistisch diffamierte SPD und schreckte dabei auch nicht vor punktuellen Bündnissen mit den Nationalsozialisten zurück.
Seit 1932 propagierte die KPD verstärkt den Gedanken der „Einheitsfront von unten“ und warb um sozialdemokratische Mitglieder. Die Sozialfaschismus-These wurde fortan nurmehr gegen die Führung der SPD angewandt.
Die Spaltung der Arbeiterbewegung am Ende der Weimarer Republik gilt als verhängnisvoll, weil ein Bündnis von Kommunisten und Sozialdemokraten möglicherweise den Aufstieg der Nationalsozialisten verhindert hätte.
Für diese Spaltung waren allerdings Kommunisten und Sozialdemokraten gleichermaßen verantwortlich. Denn auch die Sozialdemokraten sahen in den Kommunisten keine möglichen Bündnispartner im Kampf gegen den Nationalsozialismus, sondern nur einen weiteren Feind.
Die Sozialfaschismus-These wurde erst 1935 auf dem VII. Weltkongreß der Komintern überwunden, auf der der Faschismus als „die offene terroristische Diktatur der am meisten imperialistischen Kreise des Finanzkapitals“ definiert wurde. Fortan wurde die antifaschistische „Einheitsfront“ propagiert.

Siehe auch
Komintern
KPD
SPD
USPD
Weimarer Republik