Umsturz von Prag
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© BWBS Handschriftliches Manuskript Willy Brandts, Vorderseite |
Am 12. März 1948 absolviert Willy Brandt im Rahmen einer Konferenz der SPD-Kreisvorstände in Wedding seinen ersten öffentlichen Auftritt in Berlin. Er spricht über den kommunistischen Putsch in der ČSR.
Im Februar hatten die Kommunisten in der Tschechoslowakei die Ablösung der Allparteienregierung erzwungen und die Macht übernommen. Die Hoffnung vieler demokratischer Linker, die ČSR könne als Vorbild für Mitteleuropa eine „Brücke“ zwischen Ost und West bilden, ist damit zerstört. In seinem Vortrag zieht Willy Brandt „Die Lehre von Prag“: „Von Brückentheorien ist nichts übriggeblieben. … Heute werden leider nicht Brücken gebaut, sondern gesprengt.“
Während des Zweiten Weltkrieges hatte Brandt eine Volksfront der antifaschistischen Kräfte einschließlich der Kommunisten befürwortet. Angesichts der Entwicklung seit Kriegsende sagt er jetzt: „Wer sich auf die kommunistische Einheitsfront einläßt, geht daran zugrunde!“
In der Rede Brandts spiegelt sich seine Entwicklung vom Linkssozialisten und Volksfront-Befürworter zum kompromisslosen Kämpfer gegen die totalitäre kommunistische Bedrohung. Erst nach dem Mauerbau wird Brandt das Image eines „Kalten Kriegers“ ablegen können.
Brandts Referat macht ihn in Berlin als begabten Redner bekannt. Er bekommt zahlreiche Einladungen in Orts- und Kreisverbände und vollzieht damit einen wichtigen Schritt auf seinem Weg in die Berliner SPD.