Willy-Brandt-Biografie
Juli 1973

Urlaub in Norwegen

Am 29. Mai 1973 war Willy Brandt zum ersten Mal durch Innenminister Hans-Dietrich Genscher darüber informiert worden, dass gegen einen seiner persönlichen Referenten, Günter Guillaume, ein Spionageverdacht besteht. Guillaume war auf Empfehlung Georg Lebers im Kanzleramt angestellt worden, dessen Wahlkampf er 1969 organisiert hatte. Auch Brandts früherer Kanzleramtschef Horst Ehmke hatte Guillaumes Einstellung empfohlen. Willy Brandt hält die Verdachtsmomente für wenig stichhaltig. Ohnehin ist er aus seiner Zeit als Regierender Bürgermeister Berlins daran gewöhnt, dass ehemalige DDR-Flüchtlinge der Spionage verdächtigt werden. In den wenigsten Fällen erhärteten sich diese Vermutungen.

Um Beweise gegen Guillaume sammeln zu können, empfiehlt der Verfassungsschutz, ihn in seiner Funktion als Referent zu belassen. Willy Brandt geht davon aus, dass das Amt sich um seine Überwachung kümmert. So fährt Günter Guillaume im Juli 1973 mit der Familie des Kanzlers in Urlaub nach Norwegen, wo er als einziger anwesender Referent geheime NATO-Unterlagen in die Hände bekommt. Vom Bundesamt für Verfassungsschutz ist kein Mitarbeiter vor Ort. Man geht davon aus, dass das Kanzleramt sich um den Verdächtigen kümmert.
 



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