Wahl zum Abgeordnetenhaus
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© AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung Willy Brandt am Wahlabend in der Brandenburg-Halle des Rathauses Schöneberg |
Das Chruschtschow-Ultimatum vom November 1958 platzt mitten in den ersten Wahlkampf des neuen Regierenden Bürgermeisters. Willy Brandt führt die West-Berliner durch die zweite Existenz bedrohende Krise nach der Blockade von 1948 und erweist sich als würdiger Nachfolger seines Vorgängers und Mentors Ernst Reuter.
Der Wahlkampf der SPD und ihres Spitzenkandidaten Brandt steht unter dem Motto „Berlin bleibt frei“. Innen- und parteipolitische Themen spielen kaum eine Rolle, es geht um das Überleben des freien Berlins.
Bei einer Rekordwahlbeteiligung von 93% erhält die SPD mit 52,6% die absolute Mehrheit. Nur die CDU schafft es mit 37% noch ins Abgeordnetenhaus, alle anderen Parteien scheitern an der 5%-Hürde. Die SED, die ebenfalls in West-Berlin zur Wahl angetreten ist, erhält 2% der Stimmen. Das Ergebnis ist auch ein Plebiszit gegen die Berlin-Pläne Chruschtschows.
Trotz des Wahlerfolges bietet Brandt der CDU die Bildung einer Großen Koalition an, da er angesichts der sowjetischen Bedrohung eine Zusammenarbeit aller freiheitlich-demokratischen Kräfte für unumgänglich hält.
Für Willy Brandt bedeutet das Chruschtschow-Ultimatum nicht nur eine zweite Berlin-Krise, sondern auch den Aufstieg zum „Star der deutschen Sozialdemokratie“ (Siegfried Heimann). Er ist nicht nur bundes-, sondern weltweit ein Symbol für den Freiheitswillen der West-Berliner, er ist nicht nur bei den Medien, sondern auch in der internationalen Politik fortan ein gefragter Gesprächspartner.