Willy-Brandt-Biografie
Mai 1962

Wahl zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD

Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen kommen die sozialdemokratischen Delegierten Ende Mai 1962 zu ihrem Bundesparteitag in Köln zusammen. Der Regierende Bürgermeister von Berlin und Kanzlerkandidat der SPD im vergangenen Bundestagswahlkampf, Willy Brandt, wird mit lebhaftem Beifall begrüßt.

Mit Blick auf die Adenauer-Regierung und ihren Wahlkampfslogan „Keine Experimente“ mahnt er: „Wer sich allein an das Erreichte klammert, der wird es morgen schon verloren haben. Wer sich gegen schöpferische Experimente wehrt, der wird stehenbleiben. Und wer stehenbleibt, der wird auf der Strecke bleiben. Wir aber wollen nicht stehenbleiben. Die Zukunft liegt vor uns. Sie wartet auf den, der sie gestaltet. ... Das Markenzeichen ‚Keine Experimente‘ darf nicht identisch werden mit dem Ausdruck ‚Made in Germany‘; denn dann geht es abwärts mit Deutschland.“

Die Delegierten haben Brandts aufopferungsvollen Wahlkampf und sein Krisenmanagement nach dem Mauerbau nicht vergessen und wählen ihn mit 298 von 330 abgegebenen Stimmen vor Herbert Wehner (232 Stimmen) zum stellvertretenden Parteivorsitzenden.



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