Willy-Brandt-Biografie
November 1972

Wahlsieg und Krankheit

In den vorgezogenen Neuwahlen zum Deutschen Bundestag am 19. November 1972 führt Bundeskanzler Willy Brandt die SPD zum größten Wahlsieg in ihrer mehr als 100-jährigen Geschichte: Die Partei erhält 45,8 % der Zweitstimmen und ist zum ersten Mal stärkste Fraktion im Bonner Parlament.

Willy Brandt hat sich im Bundestagswahlkampf völlig verausgabt. Mit einer schweren Stimmbandentzündung wird er am 24. November 1972 ins Krankenhaus eingeliefert. Nun ist Brandt gezwungen, die Koalitionsverhandlungen mit der FDP vom Krankenbett aus schriftlich zu führen.

© Bundesbildstelle
Willy Brandt wird von Sozialdemokraten noch in der Wahlnacht mit einem Fackelzug gefeiert

In den folgenden Wochen werden – abweichend von seinen Empfehlungen – von SPD und FDP Personalentscheidungen getroffen, die sich insgesamt als sehr nachteilig für den Bundeskanzler und das zweite sozial-liberale Kabinett erweisen werden, so die Ablösung Horst Ehmkes durch Horst Grabert als Chef des Kanzleramtes und die Ernennung von Rüdiger von Wechmar, der Conrad Ahlers ablöst, zum Regierungssprecher. Außerdem erhalten die Liberalen zwei weitere Ministerposten und sind damit im Kabinett weit stärker vertreten, als es ihrem Wahlergebnis entspricht.
 



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