Willy-Brandt-Biografie
Hintergrund
Juni 1946

Willy Brandt als Lübecker Bürgermeister?

Auf seinem Weg zurück nach Skandinavien macht Willy Brandt im Sommer 1946 bei Theodor Steltzer in Kiel Station. Steltzer ist ein Konservativer, Mitglied der CDU und war als Hitler-Gegner Mitglied des Kreisauer Kreises. In dieser Eigenschaft lernte Brandt ihn während des Krieges in Stockholm kennen. Jetzt ist Steltzer von den Briten ernannter Oberpräsident der Provinz Schleswig-Holstein. Er fragt Brandt, ob er am – noch unbesoldeten – Amt des Lübecker Bürgermeisters interessiert sei. Dieser kann sich nicht entschließen und erbittet Bedenkzeit.

Als sich Brandt im September wieder in Deutschland aufhält, legt ihm Steltzer erneut die Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters nahe. Auch alte Lübecker Freunde wollen ihn für die politische Arbeit in ihrer Stadt gewinnen und suchen bereits um Unterstützung durch die SPD-Zentrale nach, unter dem Motto: „Brandt als Nachfolger unseres Julius Leber“.

Doch Willy Brandt ist skeptisch. Er fürchtet Vorbehalte wegen seiner Emigrationszeit und seiner norwegischen Staatsbürgerschaft. Zudem ist er geprägt durch die Jahre im Exil, denkt international und sieht sich im Rahmen der Lübecker Kommunalpolitik zu sehr eingeengt. Willy Brandt wird noch einige Monate nach seinem Weg zurück nach Deutschland suchen.




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