„Technische Kontakte“ nach Ost-Berlin
Nach seiner Wahl zum Regierenden Bürgermeister von Berlin ist Willy Brandt bestrebt, „technische Kontakte“ zu den Behörden in Ost-Berlin aufzubauen, um das Leben der Menschen in der geteilten Stadt zu erleichtern.
Am Vorabend des 17. Juni 1958, dem Jahrestag der Niederschlagung des Volksaufstandes in der DDR, geht ein Schreiben vom Rathaus Schöneberg an die „Verwaltung des Ostsektors, z. Hd. von Friedrich Ebert“. Regierungsrat Schultz übermittelt „im Auftrage“ des Regierenden Bürgermeisters Willy Brandt zehn Fragen. Sollten auch nur einige davon positiv beantwortet werden können, so heißt es in dem Schreiben, stünden am 30. Juni Bevollmächtigte des Senats im Schöneberger Rathaus für eine Erörterung zur Verfügung.
Der Fragenkatalog umfasst so unterschiedliche Punkte wie Freilassung der wegen des 17. Juni 1953 Verurteilten oder Wiederherstellung von Straßenbahnlinien und Telefonverbindungen zwischen den beiden Stadthälften.
Für den Ostberliner Oberbürgermeister Friedrich Ebert sind sowohl Form als auch Inhalt des Schreibens „ungehörig“. Es ist „die Sprache des Kalten Krieges“ (Siegfried Heimann), die zeigt, dass der Wille zur Annäherung die Angst vor einer – und sei es nur indirekten – Anerkennung ostdeutscher Behörden – noch – nicht überwinden kann. So entfaltet die Offerte vor allem in der West-Berliner Öffentlichkeit Wirkung. Eine Reaktion Ost-Berlins bleibt aus.