Mit der Chipkarte können Besucher verschiedene Programme und Sprachversionen an den Audio- und Medienstationen starten.

Die ständige Ausstellung
"Willy Brandt - Politikerleben"

Mit einer Vielzahl von eindrucksvollen Objekten, Dokumenten, Bildern, Filmen und Originaltönen ruft die Ausstellung die Erinnerung an das Leben und Wirken Willy Brandts wach. Sie zeigt, wie aus dem Lübecker Arbeiterjungen und Nazi-Gegner der Berliner Bürgermeister, der Bundeskanzler und der weltweit hoch geachtete Staatsmann wurde. Es ist der spannende Lebensweg eines einzigartigen Politikers, der die Entwicklung Deutschlands und Europas entscheidend mitgeprägt hat.

Besucher erhalten eine Chipkarte, mit der sie das Multimedia-Angebot in ihrer Sprache abrufen und an den Medienstationen gezielt Text-, Film- oder Tondokumente von und über Willy Brandt vertiefend anschauen können. Kindern bieten wir ein Suchspiel oder eine spannende Hörführung mit Kater Billy durch die Ausstellung an.

Eine Beschreibung der fünf Ausstellungskapitel finden Sie hier:

Jugend in Lübeck und Exil in Skandinavien

Willy Brandt kommt 1913 im Lübecker Arbeitermilieu zur Welt. Schon mit sechzehn Jahren tritt er in die SPD ein. Als die Nationalsozialisten 1933 in Deutschland die Demokratie zerschlagen, flieht Brandt nach Norwegen. Von dort aus leistet er Widerstand gegen das NS-Regime, das ihn 1938 ausbürgert. Im Zweiten Weltkrieg findet er Zuflucht in Schweden, wo er seinen politischen Kampf gegen die Hitler-Diktatur fortsetzt.

Politik im geteilten Berlin

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland beginnt 1948 Willy Brandts politischer Aufstieg in der Berliner SPD. 1957 wird er Regierender Bürgermeister. Leidenschaftlich verteidigt er die Freiheit West-Berlins und führt die Stadt aus der schweren Krise nach dem Mauerbau 1961. Bei den Bundestagswahlen 1961 und 1965 tritt Willy Brandt als Kanzlerkandidat der SPD an. Den Bundesvorsitz der Partei übernimmt er 1964. Immer wieder verleumden ihn politische Gegner wegen seiner Herkunft und seiner Rolle im Exil.

Regieren in Bonn

Ende 1966 wird Willy Brandt Außenminister und Vizekanzler der Großen Koalition. Nach der Bundestagswahl 1969 kommt es zum Machtwechsel. Die sozial-liberale Koalition aus SPD und FDP wählt Brandt zum ersten sozialdemokratischen Bundeskanzler. Seine Regierung verwirklicht innere Reformen und will mehr Demokratie wagen. Sie treibt die europäische Einigung voran und setzt eine neue Ost- und Deutschlandpolitik durch. Dafür wird Brandt 1971 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. 1972 scheitert ein Misstrauensvotum gegen ihn und bei der vorgezogenen Bundestagswahl erringt Brandt einen klaren Sieg. Im Mai 1974 tritt er wegen der Spionageaffäre Guillaume als Kanzler zurück.

Staatsmann ohne Staatsamt

Bis 1987 bleibt Willy Brandt Vorsitzender der SPD. 1976 wird er zudem Präsident der Sozialistischen Internationale, an deren Spitze er sich weltweit für Frieden, Demokratie und Menschenrechte engagiert. 1980 legt die von ihm geleitete internationale Nord-Süd-Kommission einen Bericht vor, der wegweisende Vorschläge für die globale Entwicklungspolitik macht.

Überzeugter Europäer und deutscher Patriot

Um den Frieden zu sichern, stemmt sich WIlly Brandt in den achtizger Jahren gegen das atomare Wettrüsten. Als 1989 die kommunistischen Diktaturen zusammenbrechen, fördert der SPD-Ehrenvorsitzende begeistert das Zusammenwachsen Europas. Mit aller Kraft unterstützt er 1990 die Vereinigung Deutschlands, die siene Politik erst möglich gemacht hat.
Nach schwerer Krankheit stirbt Willy Brandt 1992 in seinem Haus in Unkel. Geehrt mit einem Staatsakt, findet er in Berlin seine letzte Ruhestätte.