Willy Brandt ist einer der herausragendsten deutschen Staatsmänner des 20. Jahrhunderts.
Geboren 1913 in Lübeck und aufgewachsen in der Arbeiterbewegung, engagierte er sich schon als Jugendlicher politisch. Brandt war ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus und ging deshalb 1933 ins Exil nach Norwegen. Von Skandinavien aus setzte er seinen Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime fort.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Willy Brandt nach Deutschland zurück, um am Wiederaufbau der Demokratie mitzuwirken. In Berlin begann sein politischer Aufstieg in der SPD. Von 1957 bis 1966 verteidigte er als Regierender Bürgermeister die Freiheit West-Berlins und führte die Stadt durch die Krise des Mauerbaus.
1969 wurde Willy Brandt als erster Sozialdemokrat in Bonn zum Bundeskanzler gewählt. Seine neue Ost- und Deutschlandpolitik leitete die Normalisierung der Beziehungen der Bundesrepublik mit ihren östlichen Nachbarn ein und suchte die Aussöhnung mit den Völkern Osteuropas, denen die Deutschen im Krieg unendlich viel Leid zugefügt hatten. 1971 wurde Brandt mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Seine Politik schuf viele Erleichterungen für die Menschen im geteilten Deutschland. Das wahrte und stärkte die Zusammengehörigkeit der Deutschen in der Zeit der Teilung. Unter dem Motto "Wir wollen mehr Demokratie wagen" setzte Willy Brandt innenpolitische Reformen in der Bundesrepublik durch, die Staat und Gesellschaft weiter liberalisierten und die viele Bürger ermutigten, selbst politisch aktiv zu werden.
Nach seinem Rücktritt als Bundeskanzler 1974 engagierte er sich weiter für die Sicherung des Friedens, die Verbreitung der Demokratie und die Verwirklichung der Menschenrechte weltweit sowie für eine gerechte Partnerschaft zwischen den reichen und den armen Länder.
Willy Brandt war glücklich, den Fall der Berliner Mauer 1989 und
die Wiederherstellung der staatlichen Einheit Deutschlands 1990
noch miterleben zu dürfen. Er starb 1992 in Unkel bei Bonn.