Willy Brandt bei seiner Rede vor den Vereinten Nationen in New York anlässlich der Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland in die UNO, 1973

Bedeutende Reden Willy Brandts


Im Laufe seines Lebens hat Willy Brandt unzählige Reden zu den verschiedensten Anlässen gehalten. Im Folgenden haben wir einige der bedeutendsten Reden ausgewählt. Unter den einzelnen Punkten finden Sie eine kurze historische Einordnung und inhaltliche Zusammenfassung sowie den Link zum Volltext der jeweiligen Rede.

Rede vor der Berliner SPD zum kommunistischen Umsturz in der Tschechoslowakei, 12. März 1948

Willy Brandt auf dem Landesparteitag der Berliner SPD, 1948

Am 20. Februar 1948 zerbricht die Allparteienregierung in der Tschechoslowakei. Die nichtkommunistischen Minister, die im Kabinett in der Mehrheit sind, treten zurück, um Neuwahlen zu erzwingen. Doch Ministerpräsident Klement Gottwald und die von ihm angeführten Kommunisten sowie die mit ihnen verbündeten Sozialdemokraten unter Zdenek Fierlinger lehnen Neuwahlen ab. Stattdessen bringen sie Staatspräsident Edward Benesch durch Drohungen und Gewalt dazu, am 25. Februar 1948 eine neue Regierung zu vereidigen, die vollständig von der Kommunistischen Partei dominiert wird. Mit der von Stalin gebilligten kommunis­tischen Machtübernahme in der Tschechoslowakei sichert die Sowjetunion ihren Einflussbereich im Osten Europas ab und vertieft die politische Spaltung des Kontinents. Der Kalte Krieg beginnt.

In der westlichen Welt wird der Umsturz in Prag mit großer Empörung aufge­nommen, besonders in Berlin. In einer Rede vor Sozialdemokraten aus beiden Teilen der Stadt verurteilt Willy Brandt am 12. März 1948 den Putsch aufs Schärfste. Der Vertreter des SPD-Parteivorstands sagt dem terroristischen Sowjetkommunismus den Kampf an und betont, dass die deutsche Sozialdemokratie für einen freiheit­lichen, demokratischen Sozialismus eintritt. Zu seinen persönlichen "Lehren von Prag" zählt, dass Brandt eine Zusammenarbeit von Kommunisten und Sozial­demo­kraten, die er im Exil befürwortet hatte, nunmehr kategorisch ausschließt.

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Rede vor der Steuben-Schurz-Gesellschaft in Berlin, 17. Januar 1958

Am 3. Oktober 1957 wird Willy Brandt zum Regierenden Bürgermeister von Berlin gewählt. Drei Monate später und wenige Tage vor seinem ersten amtlichen Besuch in den USA lädt ihn die Steuben-Schurz-Gesellschaft, die älteste deutsch-amerikanische Freundschaftsorganisation, zu einem Vortrag ein.

In seinen "Betrachtungen zur internationalen Politik" betont Brandt zum einen die enge Bündnispartnerschaft der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlins mit Amerika und dem Westen. Zum anderen macht er aber auch deutlich, dass die sich wandelnde Lage in der Welt neue Initiativen, insbesondere nach Osten, erfordere. Wörtlich sagt Willy Brandt am 17. Januar 1958: "Die deutsche Außenpolitik steht seit 1949 auf einem Bein. (...) Aber da lauert nun die andere Aufgabe, (...) gestützt auf die Freundschaft mit dem Westen und jeden Schritt abgesprochen mit unseren westlichen Freunden, doch auch das andere Bein - und das heißt Ostpolitik - herunterzusetzen."

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Deutschland, Israel und die Juden. Rede in New York, 19. März 1961

Nicht erst während seiner Kanzlerschaft, sondern schon seit Beginn der fünfziger Jahre engagiert sich Willy Brandt für die deutsch-jüdische Aussöhnung. 1952 gehört er in Berlin zu den Initiatoren der Großkundgebung „Versöhnung mit den Juden“, die gegen antisemitische Tendenzen in der deutschen Gesellschaft protestiert und an die Ermordung von sechs Millionen Juden durch das NS-Regime erinnert.

Als Regierender Bürgermeister von Berlin betont er 1961 in einer Rede am New Yorker Theodor-Herzl-Institut: Die furchtbaren Verbrechen, die im Namen des deutschen Volkes begangen wurden, „werden die Welt belasten, solange sie besteht“.

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Rede vor dem Rathaus Schöneberg gegen den Mauerbau, 16. August 1961

Willy Brandt vor dem Rathaus Schöneberg, 1961

Am 13. August 1961 riegelt das SED-Regime in der DDR mit Zustimmung der Sowjetunion die Berliner Sektorengrenze ab und beginnt damit, um West-Berlin herum eine Mauer zu bauen. Die westlichen Schutzmächte, USA, Großbritannien und Frankreich, sowie die Bundesregierung verhalten sich zunächst sehr passiv. Auf die brutale Grenzschließung und die Zurückhaltung des Westens reagieren die Berliner mit Trauer, Wut und Empörung. 300.000 Menschen versammeln sich am 16. August 1961 vor dem Rathaus Schöneberg in West-Berlin zu einer Protestkundgebung.

In seiner Rede vor den Demonstranten verurteilt der Regierende Bürgermeister Willy Brandt die östlichen Maßnahmen als Bruch des Viermächtestatus von Berlin und fordert den Westen auf, dem Mauerbau nicht tatenlos zuzusehen. Er verkündet, dass er sich deswegen mit einem Brief an den amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy gewandt habe. Zudem appelliert Brandt an die Grenzsoldaten der DDR, Menschlichkeit zu zeigen und nicht auf ihre Landsleute zu schießen.

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Rede bei der Konferenz der Nichtkernwaffenstaaten in Genf, 3. September 1968

Vom 29. August bis zum 28. September 1968 kommen erstmals die Staaten, die keine Atomwaffen besitzen, zu einer Konferenz zusammen. In seiner Rede vor den Delegierten im Genfer Völkerbundspalast bekräftigt Außenminister Willy Brandt den Verzicht der Bundesrepublik Deutschland auf die Herstellung und den Besitz von Nuklearwaffen. Zudem strebe die Bundesregierung auch keinerlei Verfügungsgewalt über die in der Bundesrepublik lagernden atomaren Waffen an. Mit Blick auf den Einmarsch sowjetischer Truppen in die Tschechoslowakei am 21. August 1968 betont Brandt, dass "die universalen Prinzipien des allgemeinen Völkerrechts" nicht verletzt werden dürften: Souveränität, territoriale Integrität, Gewaltlosigkeit, Selbstbestimmungsrecht der Völker und Menschenrechte.

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Regierungserklärung vor dem Bundestag in Bonn, 28. Oktober 1969

Willy Brandt während der Regierungs-erklärung im Deutschen Bundestag, 1969

Eine Woche nach seiner Wahl zum Bundeskanzler steckt Willy Brandt den Kurs der Regierung ab, die erstmals von SPD und FDP gebildet wird. Seine Rede im Deutschen Bundestag ist ein Signal des Aufbruchs. Brandt kündigt Reformen im Innern und eine neue Ost- und Deutschlandpolitik an. Die Kernbotschaften der sozial-liberalen Koalition an die Bürgerinnen und Bürger lauten: „Wir wollen mehr Demokratie wagen“ und „Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein und werden — im Inneren und nach außen.“

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Fernsehansprache aus Moskau zum deutsch-sowjetischen Vertrag, 12. August 1970

Willy Brandt und Alexej Kossygin unterzeichnen den Moskauer Vertrag, 1970

Die Unterzeichnung des deutsch-sowjetischen Vertrages am 12. August 1970 bedeutet den Durchbruch für die neue Ost- und Deutschlandpolitik der Regierung Brandt-Scheel. Er öffnet ihr den Weg zum Abschluss der weiteren Ostverträge mit Polen (1970), der DDR (1972) und der Tschechoslowakei (1973). Im Moskauer Vertrag verpflichten sich die Bundesrepublik Deutschland und die Sowjetunion zum Gewaltverzicht. Ferner betrachten sie alle Grenzen in Europa als unverletzlich, einschließlich der Oder-Neiße-Linie als Westgrenze Polens und der Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten. In einem Brief an seinen Amtskollegen Gromyko stellt Außenminister Scheel jedoch klar, dass die Wiedererlangung der deutschen Einheit das Ziel der Bundesrepublik bleibt.

Am Abend nach der Vertragsunterzeichnung wendet sich Bundeskanzler Brandt in einer Fernsehansprache aus Moskau an seine Landsleute, worin er betont: „Mit diesem Vertrag geht nichts verloren, was nicht längst verspielt worden war.“

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Fernsehansprache aus Warschau zum deutsch-polnischen Vertrag, 7. Dezember 1970

Willy Brandt und Józef Cyrankiewicz bei der Unterzeichnung des Warschauer Vertrages, 1970

Am 7. Dezember 1970 unterzeichnen Bundeskanzler Willy Brandt und der polnische Ministerpräsident Józef Cyrankiewicz in Warschau den "Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik Polen über die Grundlagen der Normalisierung ihrer gegenseitigen Beziehungen". Damit nehmen beide Staaten erstmals diplomatische Beziehungen miteinander auf. Der wichtigste Punkt des Abkommens ist aber: Die Vertragspartner stellen fest, dass die Oder-Neiße-Grenze die westliche Staatsgrenze Polens bildet, und sie bekräftigen "die Unverletzlichkeit ihrer bestehenden Grenzen jetzt und in der Zukunft und verpflichten sich gegenseitig zur uneingeschränkten Achtung ihrer territorialen Integrität".

Am Abend wendet sich Brandt in einer Fernsehansprache aus der polnischen Hauptstadt an seine Mitbürgerinnen und Mitbürger und erläutert die Bedeutung des Vertrages.

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Rede anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo, 11. Dezember 1971

Manuskriptseite mit handschriftlichen Einarbeitungen Willy Brandts für seine Rede in der Universität Oslo, 1971

Am 10. Dezember 1971 wird Willy Brandt der Friedensnobelpreis für das Jahr 1971 verliehen. In der Begründung des Nobel-Komitees heißt es: „Bundeskanzler Willy Brandt hat als Chef der westdeutschen Regierung und im Namen des deutschen Volkes die Hand zu einer Versöhnungspolitik zwischen alten Feindländern ausgestreckt. Er hat im Geiste des guten Willens einen hervorragenden Einsatz geleistet, um Voraussetzungen für den Frieden in Europa zu schaffen.“

Am Tag nach der Preisverleihung hält Brandt an der Osloer Universität einen vielbeachteten Vortrag zum Thema „Friedenspolitik in unserer Zeit“.

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Erklärung zum Grundlagenvertrag mit der DDR, 7. November 1972

Als erster Bundeskanzler ist Willy Brandt zu direkten Regierungsverhandlungen mit der DDR bereit. Doch auch nach seinen Treffen mit DDR-Ministerpräsident Willi Stoph im März 1970 in Erfurt und zwei Monate später in Kassel kommen die deutsch-deutschen Gespräche zunächst kaum voran. Erst nach dem Vier-Mächte-Abkommen über Berlin im September 1971 gibt es Fortschritte. Im Dezember 1971 schließen Bonn und Ost-Berlin ihr erstes Abkommen, das den Transitverkehr zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin regelt. Im Mai 1972 folgt der Verkehrsvertrag. Am 8. November 1972 wird schließlich der Grundlagenvertrag paraphiert, dessen Unterzeichnung sechs Wochen später stattfindet. Darin vereinbaren die beiden deutschen Staaten die Aufnahme gleichberechtigter, gutnachbarlicher Beziehungen. Aber an der Einheit der Nation hält die Regierung Brandt-Scheel fest. Sie vertritt weiter den Standpunkt, dass die Bundesrepublik und die DDR füreinander nicht Ausland sein können.

Die Erklärung von Bundeskanzler Brandt zur Paraphierung des Grundlagenvertrages finden Sie hier.

 

Erklärung zum Ausgang der Bundestagswahl, 19. November 1972

Willy Brandt und Walter Scheel bei der ersten Presseerklärung zum Wahlsieg, 1972

Nach dem gescheiterten Konstruktiven Misstrauensvotum gegen Willy Brandt am 27. April 1972 herrscht im Deutschen Bundestag ein Patt zwischen Regierung und Opposition, das nur durch Neuwahlen überwunden werden kann. Die Begeisterung für Brandt prägt den Wahlkampf, der die Menschen elektrisiert. So viele Bundes­bürger wie nie zuvor engagieren sich politisch. „Willy wählen“, „Deutsche, wir können stolz sein auf unser Land“ und „Willy Brandt muß Kanzler bleiben“ sind die Wahlslogans der SPD. Bei der Abstimmung am 19. November 1972 erzielen die Sozialdemokraten mit 45,8 Prozent das beste Ergebnis ihrer Geschichte.

In Folge des großen Wahlsieges können Willy Brandt und Walter Scheel die sozial-liberale Koalition fortsetzen. Vor dem Palais Schaumburg, dem Amtssitz des Bundeskanzlers, treten sie am Wahlabend gemeinsam vor ihren Anhängern auf. Dabei gibt Brandt eine Erklärung zum Ausgang der vorgezogenen Bundestagswahl ab.

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Rede im Europäischen Parlament in Straßburg, 13. November 1973

Nicht nur in der Ost- und Deutschlandpolitik, sondern auch und vor allem in der Europapolitik setzt sich die von Bundeskanzler Willy Brandt geführte sozial-liberale Bundesregierung ab 1969 erfolgreich für einen Neuanfang ein. Brandt hat großen Anteil daran, dass Großbritannien, Dänemark und Irland 1972 der Europäischen Gemeinschaft beitreten.

Am 13. November 1973 spricht Brandt als erster Bundeskanzler vor dem Europäischen Parlament in Straßburg. In seiner Grundsatzrede legt er seine Vision eines geeinten Europa dar. Der deutsche Kanzler bekennt sich zur Schaffung einer Politischen Union, unterstützt insbesondere den Plan für eine europäische Währungsunion und regt eine gemeinsame Sozialpolitik in der EG an.

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Rede vor dem Kongress der Sozialistischen Internationale in Genf, 26. November 1976

Am 26. November 1976 wird Willy Brandt erstmals zum Präsidenten der Sozialistischen Internationale gewählt. Die traditionsreiche Vereinigung sozialdemokratischer und sozialistischer Parteien ist zu diesem Zeitpunkt nahezu bedeutungslos. Doch durch Brandt findet die SI wieder Gehör. Er befreit die Internationale von ihrem 'Eurozentrismus' und öffnet sie für ihr freundschaftlich verbundene Parteien aus der "Dritten Welt". Zudem setzt die SI neue inhaltliche Schwerpunkte, die Brandt schon bei seiner Genfer Antrittsrede in Form von drei Offensiven für Frieden und Abrüstung, für neue Nord-Süd-Beziehungen und für die Menschenrechte ankündigt. 

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Rede vor der United Nations Association in New York, 26. Oktober 1978

1977 übernimmt Willy Brandt den Vorsitz der "Unabhängigen Kommission für Internationale Entwicklungsfragen". Sie soll den Nord-Süd-Dialog wieder beleben und neue Vorschläge für die internationalen Verhandlungen machen. Die Brandt-Kommission erarbeitet einen Bericht zur Zukunft der Entwicklungspolitik, der 1980 an die Vereinten Nationen übergeben wird.

Auf zahlreichen Reisen stellt Willy Brandt die Arbeit des von ihm geleiteten Gremiums vor und wirbt für grundlegende Veränderungen in den Beziehungen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Bei seiner Rede vor der United Nations Association of America am 26. Oktober 1978 spricht er sich für eine neue gerechtere internationale Ordnung aus und appelliert besonders an die USA, ihrer globalen Verantwortung besser gerecht zu werden.

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Abschiedsrede als SPD-Vorsitzender beim außerordentlichen Parteitag in Bonn, 14. Juni 1987

Willy Brandt während seiner Abschiedsrede vom SPD-Parteivorsitz, 1987

Am 23. März 1987 kündigt Willy Brandt seinen Rücktritt vom Amt des SPD-Vorsitzenden an, das er 23 Jahre lang innehatte. Anlass ist der Protest vieler Sozialdemokraten gegen seinen Vorschlag, die parteilose Margarita Mathiopoulos zur neuen Vorstandssprecherin zu machen.

Bei einem außerordentlichen Parteitag in der Bonner Beethovenhalle verabschiedet sich Brandt am 14. Juni 1987 mit einer eindrucksvollen Rede. Darin zieht er eine Bilanz seines politischen Wirkens und betont, wie viel ihm der Grundwert der Freiheit bedeutet. Zugleich mahnt Brandt die SPD, für gesellschaftliche Veränderungen offen zu sein und sich ständig zu erneuern. Die Delegierten ernennen ihn zum Ehrenvorsitzenden der Partei.

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Rede vor dem Rathaus Schöneberg zum Fall der Berliner Mauer, 10. November 1989

Willy Brandt bei seiner Rede vor dem Rathaus Schöneberg, 1989

Am Morgen nach der Grenzöffnung fliegt Willy Brandt sofort nach Berlin. Wenige Stunden später steht er inmitten einer Menschenmenge vor dem Brandenburger Tor. Anschließend fährt er zum Rathaus Schöneberg, wo er in einem Interview einen Satz sagt, der - leicht gekürzt - bald in aller Munde sein wird: „Jetzt sind wir in einer Situation, in der wieder zusammenwächst, was zusammengehört.“ Brandt denkt dabei nicht nur an Deutschland, sondern auch an Europa als Ganzes.

Am Abend des 10. November 1989 findet vor dem Rathaus eine Kundgebung statt. Neben Bundeskanzler Helmut Kohl, Außenminister Hans-Dietrich Genscher und dem Regierenden Bürgermeister Walter Momper spricht auch der SPD-Ehren­vorsitzende zu tausenden Berlinern aus beiden Teilen der Stadt. Zum Mauerfall erklärt er: „Jetzt erleben wir — und das ist etwas Großes und ich bin dem Herrgott dankbar dafür, dass ich dies miterleben darf —, dass die Teile Europas wieder zusammenwachsen.“

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Warum man darin das berühmte Zitat „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört“ vergeblich sucht, erläutert der
Beitrag von Dr. Bernd Rother.


Rede anlässlich des Besuchs von Nelson Mandela in Bonn, 11. Juni 1990

Nach mehr als 27 Jahren in Haft kommt Nelson Mandela, der Anführer der schwarzen Südafrikaner, im Februar 1990 endlich frei. Die SPD und die Sozialistische Internationale (SI) mit Willy Brandt an der Spitze hatten sich in den Jahren zuvor immer wieder für die Freilassung des Apartheid-Gegners eingesetzt. Am 11. Juni 1990 besucht Mandela Bonn, um sich für die Solidarität zu bedanken. In der Parteizentrale der Sozialdemokraten bereiten ihm Tausende einen begeisterten Empfang. Als SPD-Ehrenvorsitzender und SI-Präsident begrüßt Brandt den Gast aus Südafrika mit den Worten: "Schon der gefangengehaltene Nelson Mandela war uns ein Symbol der Unerschrockenheit, der Überzeugungs­treue und dadurch vor allem der Hoffnung, dass es für Südafrika eine bessere Zukunft geben könnte. Der freigelassene Nelson Mandela ist noch mehr: Er ist ein Symbol der Versöhnungsbereitschaft und des Friedens zugleich."

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Grußwort für den Kongress der Sozialistischen Internationale in Berlin, 15. September 1992

16 Jahre ist Willy Brandt Präsident der Sozialistischen Internationale. 1992 gibt er dieses Amt ab. Am SI-Kongress, der Mitte September 1992 erstmals in Berlin stattfindet und seinen Nachfolger bestimmt, kann der Todkranke aber nicht mehr teilnehmen.

Seine Abschiedsbotschaft an die im Reichstagsgebäude tagenden Delegierten übermittelt er schriftlich in einem Grußwort, das Hans-Jochen Vogel am 15. September 1992 verliest. Darin bezeichnet es Brandt als seine besondere Genugtuung, dass die Vereinigung sozialdemokratischer Parteien unter seiner Führung eine „wahrhaft weltweite Gemeinschaft“ geworden sei. Daraus leitet er auch die Verpflichtung der Internationale zum globalen Engagement gegen Unrecht und für die Menschenrechte ab. Seine politischen Freunde ruft Brandt dazu auf, in ihrem Tun nicht nachzulassen: „Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer. Darum — besinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.“

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