Stimmen zu Willy Brandt

Willy Brandt hat die Menschen begeistert und fasziniert, seine Person und seine Politik haben viel Anerkennung und Zustimmung gefunden. Aber er erfuhr zeitlebens auch Ablehnung und Widerspruch.

Eine umfangreiche Zusammenstellung von nationalen und internationalen Stimmen zu Willy Brandt von den 1930er Jahren bis in unsere Tage finden Sie hier.

Eine Vorauswahl aus acht Jahrzehnten veranschaulicht die Bandbreite der Urteile:

„Frahm ist nach Aussage seiner Mutter, die das bedauert, ein Fanatiker seiner Überzeugung — eine häufige Zeiterscheinung bei jugendlichen Menschen.“
Aus dem Protokoll einer Klassenkonferenz am Johanneum in Lübeck, 1931

„Er ist nicht nur sympathisch, sondern auch sehr tüchtig. (...) Er ist ein Mann, der in internationalen Kreisen leicht Freunde gewinnt (...). Er ist in der Emigration ein an den Westen, insbesondere Amerika assimilierter Journalist geworden.“
Aus einem Schreiben von Fritz Bauer an Kurt Schumacher, 23. Mai 1946

„Er ist der geistige Sohn Ernst Reuters (...). Die Berliner fangen an, auf ihn zu hören. Seine Stimme gewinnt einen Klang, dem sich die Ohren und die Herzen der Insulaner öffnen.“
Welt am Sonntag, 8. Januar 1956

„Wenn einer mit der größten Rücksicht behandelt worden ist von seinen politischen Gegnern, dann ist das der Herr Brandt alias Frahm.“
Konrad Adenauer, 14. August 1961

„Seine antinazistische Vergangenheit, sein tapferes Auftreten als Regierender Bürgermeister von West-Berlin in kritischen Jahren und seine beständige Würde haben ihm allgemeine Achtung verschafft.“
The Daily Telegraph (London), 2. März 1970

„Dann kniet er, der das nicht nötig hat, da für alle, die es nötig haben, aber nicht da knien — weil sie es nicht wagen oder nicht können oder nicht wagen können. Dann bekennt er sich zu einer Schuld, an der er selber nicht zu tragen hat, und bittet um eine Vergebung, derer er selber nicht bedarf. Dann kniet er da für Deutschland.“
Hermann Schreiber, in: Der Spiegel, Nr. 51/1970, S. 29

„Willy Brandt hat als Chef der westdeutschen Regierung und im Namen des deutschen Volkes die Hand zu einer Versöhnungspolitik zwischen alten Feindländern ausgestreckt. Er hat im Geiste des guten Willens einen hervorragenden Einsatz geleistet, um Voraussetzungen für den Frieden in Europa zu schaffen.“
Aus der Begründung des Osloer Nobelkomitees zur Verleihung des Friedensnobelpreises 1971

„Brandt ist der erste deutsche Staatsmann, der wie seit langem kein Vorgänger den Mut zu neuen Entwürfen hat.“
Georg Meistermann, in: Dagobert Lindlau (Hrsg.): Gedanken über einen Politiker. Dieser Mann Brandt, München 1972, S. 89

„Der Mann, der vor einem Jahr noch als passé galt, ist wieder wer. (...) Er versteht sich als Vormann der europäischen Sozialdemokratie, als Politiker, der auf einen sozialdemokratisch regierten Kontinent hinsteuert.“
Der Spiegel, Nr. 29/1975, S. 17-24

„In der Welt hat der frühere Bundeskanzler nichts von seinem Ansehen eingebüßt. Sein Name hat sich vielen Menschen rund um den Erdball als Symbol für ein anderes Deutschland eingeprägt wie der keines anderen.“
Die Zeit, 26.6.1981

„Es gibt viele Brandt-Bilder, aber was ist das richtige? (...) Brandt hat die Farben einer Romanfigur.“
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.1983

„Willy Brandt sah es als seine Aufgabe an, Brücken zu bauen: Brücken üer Stacheldraht und Mauer hinweg, Brücken zu unseren östlichen Nachbarn und (...) Brücken zwischen Nord und Süd. Er verstand sich immer als Deutscher, als Europäer und als Weltbürger zugleich.“
Helmut Kohl, 17. Oktober 1992