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14.07.2016

Leserbrief "Brandts Rolle" in der "Welt" vom 14. Juli 2016

Eine Richtigstellung zum Artikel "Angriff auf Israel"

Am 11. Juli 2016 hat Richard Herzinger unter dem Titel "Angriff auf Israel" (online: "Der unerklärte Krieg der DDR gegen Israel") das Buch von Jeffrey Herf Undeclared Wars with Israel. East Germany and the West German Far Left 1967-1989 in der "Welt" rezensiert.
Unser wissenschaftlicher MItarbeiter Dr. Wolfgang Schmidt hat dazu einen Leserbrief verfasst, der am 14. Juli in der "Welt" abgedruckt wurde und den wir hier in voller Länge wiedergeben:

>> In seiner Rezension von Jeffrey Herfs Buch Undeclared Wars with Israel. East Germany and the West German Far Left 1967-1989 schreibt Richard Herzinger in der Schlusspassage, "führende Sozialdemokraten, Willy Brandt einge­schlossen," hätten während des Jom-Kippur-Krieges 1973 "in der Existenznot des jüdischen Staats den fundamentalen moralischen Unterschied zwischen den kriegsführenden Parteien nicht mehr zu erkennen" vermocht.

Ganz gleich, ob dies allein die Meinung des Rezensenten darstellt oder auch das Urteil des Buchautors wiedergeben sollte: Die Behauptung entspricht nicht den Fakten und ist zugleich ehrabschneidend, da sie Willy Brandt und die damalige SPD-FDP-Regierung in die Nähe linksradikaler Israel-Feinde rückt. Tatsache ist, dass nach den schweren Verlusten der israelischen Armee in den ersten Kriegstagen auf Anweisung von Bundeskanzler Willy Brandt und Verteidigungsminister Georg Leber im Geheimen militärisches Gerät aus Bundeswehrbeständen an Israel geliefert worden ist. Klaus Harpprecht hat dies bereits im Jahr 2000 enthüllt.

Über die geheime - nach deutschem Recht gesetzeswidrige - Hilfe der Bundesrepublik an Israel musste Brandt schweigen. In einer Rede vor dem Deutschen Bundestag erklärte er aber am 9. November 1973: "Ich habe oft betont - und mir liegt daran, es hier zu bestätigen -, dass es für uns keine Neutralität des Herzens und des Gewissens gibt und geben kann."
Offiziell nahm die Bundesregierung während des Krieges eine neutrale Haltung ein, die sie nach der Verkündung des Waffenstillstands in Nahost am 22. Oktober 1973 noch einmal besonders betonte. Als zwei Tage später die Presse darüber berichtete, dass in Bremerhaven Schiffe unter israelischer Flagge von den Amerikanern mit Kriegsmaterial beladen werden, protestierte das Auswärtige Amt bei der US-Regierung, was heftige Reaktionen in Washington auslöste (dass das AA diesen Protest sofort veröffentlichte, hielt Brandt übrigens für einen Fehler). Im Einvernehmen mit Außenminister Walter Scheel (FDP) entschied der Kanzler, dass die Verladungen auf israelische Schiffe sofort gestoppt werden müssten und diese Frachter deutsche Gewässer zu verlassen hätten. Allerdings wusste die Bundesregierung seit Mitte Oktober 1973 über die amerikanischen Nachschublieferungen an Israel via Bremerhaven Bescheid und duldete sie. Dass dafür auch israelische Schiffe benutzt werden sollten, war ihr aber zuvor nicht mitgeteilt worden. <<

Für eine detaillierte Darstellung der Beziehungen des Bundeskanzlers Willy Brandt zu Israel, insbesondere zu Premierministerin Golda Meir, weisen wir auf eine Veröffentlichung von Dr. Wolfgang Schmidt aus dem Jahr 2014 hin.