12.11.2018

Willy-Brandt-Rede Lübeck 2018

Ein starkes Plädoyer für die Demokratie von Bundespräsident Steinmeier

>> Die Rede als Video (YouTube)

Die 1.500 kostenlosen Eintrittskarten für die Willy-Brandt-Rede Lübeck 2018 waren innerhalb weniger Tage vergriffen. So wie anscheinend ganz Lübeck erwartete auch die Stiftung mit großer Vorfreude die Festrede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Nach seinem Besuch im Buddenbrookhaus fuhr der Bundespräsident bei der Musik- und Kongresshalle Lübeck vor. Dort wurde er von Ministerpräsident Daniel Günther, der Lübecker Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer, dem Lübecker Bürgermeister Jan Lindenau, und dem Kuratoriumsvorsitzenden der Stiftung, Wolfgang Thierse, in Empfang genommen, um danach gemeinsam in den großen Konzertsaal zu gehen.

Als die Worte erklangen "Meine Damen und Herren, Der Bundespräsident“, erhob sich das Publikum und bereitete Frank-Walter Steinmeier einen tosenden Empfang in Lübeck. Nach dem Erste Reihe Foto eröffnete die Big-Band des Johanneums die Willy-Brandt-Rede Lübeck 2018. Danach ergriff Wolfgang Thierse das Wort, um Bundespräsident Steinmeier zu begrüßen. "Demokratie will gelebt werden! Das war damals, vor gut 50 Jahren, genauso wahr wie heute. Und: Damals wie heute gehört Mut dazu.“ Lübeck sei eine starke Stadt mit einer mutigen Bürgerschaft, doch man müsse wissen: “Solidarität und Demokratie sind keine Selbstverständlichkeit, sie bilden eine Lebensaufgabe, eine fortlaufende Verpflichtung.“, führte Thierse zum Abschluss seiner Begrüßung aus und übergab das Wort an den Bundespräsidenten.

Bundespräsident Steinmeier stellte in seiner Rede die Kraft und das Versprechen der Demokratie in den Mittelpunkt. Die Demokratie in Deutschland habe keine „Ewigkeitsgarantie“, sagte Steinmeier. Die offene liberale Gesellschaft stecke voller Widersprüche, Konflikte und Zumutungen. „Sie muss das aushalten und aushandeln können.“ Die wachsende Polarisierung der Gesellschaften verschaffe Populisten Auftrieb. „Von denen, die die Parteiendemokratie bereits abgeschrieben haben“, habe er jedoch noch keine überzeugenden Alternativen gehört, sagte Steinmeier.

Die Demokratie sei „in erster Linie ein Versprechen, und kein Endzustand“, betonte Steinmeier. Ausgehend von den gesellschaftlichen Umwälzungen der 1968er Jahre mahnte er mit Blick auf heute: „Es ist gut, dass Willy Brandt dem Motto ‚mehr Demokratie', das wir heute gern und leichtfertig bejahen, dieses nicht ganz so bequeme Wörtchen hinzufügt. Wagt es! Man muss sich aufraffen für die Demokratie. Denn so gefestigt und gereift sie mit dem Blick zurück auch aussehen mag – ihre Zukunft ist offen, heute vielleicht offener denn je. Das muss uns keine Angst einjagen. Im Gegenteil: Die Demokratie ist die Staatsform der Mutigen.“

Die Musiker mussten sich ein wenig gedulden, so lange dauerte der Applaus. Letztendlich spielten sie auf und im Anschluss überbrachte Ministerpräsident Daniel Günther das Grußwort des Landes Schleswig-Holstein, in dem er seine Hoffnung kundtat, dass das politische Berlin die Botschaft der Rede des Bundespräsidenten wahrnehmen werde. „Gerade in so herausfordernden Zeiten wie jetzt können wir so viel erreichen, wenn wir gemeinsam mutig sind. Das gilt für Deutschland und das gilt auch für Europa“, so Günther. „Dafür müssen wir wieder mehr miteinander reden und zuhören, aber auch andere Meinungen respektieren.“ Günther dankte der Willy-Brandt-Stiftung, die mit ihrer Arbeit für entsprechende Diskussionsräume sorge. „Die ‚Willy-Brandt-Rede‘ ist ein verdienstvolles Institut. Es bietet Jahr für Jahr ein Podium für das reflektierte Wort, das weit über Lübeck hinauswirkt“, sagte der Ministerpräsident. Ähnliches führte auch der Lübecker Bürgermeister Jan Lindenau als letzter Redner des Abends in seinem Grußwort im Namen der Hansestadt Lübeck an und mahnte: „Demokratie braucht Diskurs und muss erkämpft werden."

Nach einem letzten Lied der Big-Band des Johanneums begann der Empfang, bei dem der Bundespräsident sich noch für viele Gespräche und Fotos mit den Gästen Zeit nahm, bevor er nach einem langen Tag zurück nach Berlin aufbrach.

Die Rede des Bundespräsidenten als Download (pdf)
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: Zur honorarfreien Verwendung im Rahmen der Berichterstattung. Credit: Andreas Vallbracht/Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung

Das Willy-Brandt-Haus lädt alljährlich in Kooperation mit der Hansestadt Lübeck eine herausragende Persönlichkeit ein, die – anknüpfend an das Erbe Willy Brandts – die drängendsten politischen und gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit analysiert und mögliche Lösungsstrategien entwickelt.

Die Willy-Brandt-Rede Lübeck fand in diesem Jahr zum neunten Mal statt. Festredner waren unter anderem Joachim Gauck, Thorbjørn Jagland und Norbert Lammert.