17.09.2018

24. Oktober: Matthias Walden - Antikommunist, liberaler Demokrat und Konservativer

Vortrag von Nils Lange (Universität Potsdam)

Matthias Walden war einer der wichtigsten journalistischen Begleiter der politischen Karriere Willy Brandts in der Bundesrepublik Deutschland. Anfangs als neuer Ernst Reuter umjubelt wurde Brandt im Laufe der 1960er Jahre für Walden zum unnahbaren politischen Manager, der die Bahnen des einst so kämpferisch vertretenen gemeinsam gehegten Antikommunismus nach und nach verließ. Ihr Verhältnis kann vielleicht mit dem Paradoxon der distanzierten Nähe beschrieben werden, das auch die berühmte Dokumentation Waldens „Einige Tage im Leben des Willy Brandt“ von 1968 kennzeichnet. Gegen die Angriffe auf die Person Brandts im Wahlkampf 1965 nahm ihn Walden öffentlich in Schutz. In der Illustrierten „Quick“ schrieb er: "Es war damals zwischen 1933 und 1945 ehrenhafter für einen Deutschen, eine norwegische Uniform zu tragen als eine braune deutsche oder eine schwarze deutsche oder auch, in vielen Fällen, eine feldgraue deutsche."

Von seinem Zugehen auf die DDR enttäuscht begann allerdings auch Waldens Respekt für das politische Wirken Brandts zu schwinden. In der Welt hieß es daher im Oktober 1973: "Seit Brandt Kanzler geworden war, ging er immer tiefer und weiter in eine Stilisierung seiner selbstdarstellerischen Effekte hinein. Sie entrückten ihn mehr und mehr. Seine Imagepflege trug ihn bis in das Phänomen vermeintlicher Schwerelosigkeit, die ihn den Boden unter den Füßen nicht mehr fühlen zu lassen schien." Ein Gesprächsfaden, der bis in die frühen 1970er Jahre bestand, war so nicht mehr aufrechtzuerhalten. Walden wurde zum publizistischen Wegbereiter einer konservativen Tendenzwende.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Institut für Zeitgeschichte Berlin-München statt.

Ort: Forum Willy Brandt Berlin, Unter den Linden 62-68
Beginn: 18:00 Uhr

ANMELDUNG
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Matthias Walden (1975). Foto: Axel-Springer-Verlag Unternehmensarchiv