29.08.2017

19./20. September: Konferenz "Wir wollen mehr Demokratie wagen"

Antriebskräfte, Realität und Mythos eines Versprechens

Eine wissenschaftliche Konferenz der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, dem Arbeitsbereich Zeitgeschichte am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin, der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und dem LabEx EHNE (Ecrire une Histoire Nouvelle de l'Europe), Université Paris Sorbonne (Paris 4)

Der Satz „Wir wollen mehr Demokratie wagen“ aus der ersten Regierungserklärung des Kanzlers Willy Brandt von 1969 gilt als Leitspruch für die Phase der Reformen und der „Fundamentalliberalisierung“ der alten Bundesrepublik. Diese wissenschaft­liche Konferenz hat zum Ziel, Brandts Ankündigung und ihre Folgen zu historisieren.

In den Blick genommen werden zunächst auch jene Kräfte, die teils schon weit vor 1968/69 eine Modernisierung, Liberalisierung und Demokratisierung von Staat und Gesellschaft forderten und förderten. Sodann steht im Mittelpunkt, inwieweit die sozial-liberale Regierung „mehr Demokratie“ verwirklichte und wie sie dieses Ziel mit den Bemühungen um mehr politische Planung in Einklang brachte. Welche Hoffnungen, aber auch Befürchtungen weckte Brandts Versprechen? Wessen Erwartungen wurden erfüllt oder enttäuscht und wie wirkte sich die Zäsur des Krisenjahres 1973 aus?

Die inneren Reformen in der Bundesrepublik müssen darüber hinaus international eingeordnet werden. Wie fällt der Vergleich mit anderen westlichen Staaten aus, lassen sich wechselseitige Beeinflussungen feststellen und hatte die Demokratisierung im Westen auch Auswirkungen auf die Länder östlich des „Eisernen Vorhangs“? Eng damit verbunden ist die Frage nach den Folgen und der Rezeptionsgeschichte von „Wir wollen mehr Demokratie wagen“. Welche der Entwicklungen, wie das Entstehen neuartiger Formen zivilgesellschaftlichen Engagements, sind tatsächlich auf Willy Brandt und die sozial-liberale Reformpolitik zurückzuführen? Lässt sich die These von der „Fundamentalliberalisierung“ aufrechterhalten? Oder haben sich wesentliche Teile der Liberalisierungs- und Demokratisierungsprozesse sowie des Wertewandels in der Gesellschaft erst seit den 1980er Jahren voll entfaltet?

Zum Abschluss wird eine öffentliche Podiumsdiskussion auch darüber debattieren, welche aktuelle Bedeutung Brandts vielzitierter Satz noch immer hat.
Einladung Podiumsdiskussion (PDF)

Beide Veranstaltungen werden per LIVESTREAM übertragen.

Programm

Konferenzprogramm als Download (PDF)

Dienstag, 19. September 2017

10.30–11.00 Uhr
Begrüßung
: Wolfgang Thierse (Berlin)
Einführung
: Wolfgang Schmidt (Berlin)

11.00–13.30 Uhr
Panel 1:

Herkunft und Antriebskräfte – Der Ruf nach „Modernisierung“ und „Demokratisierung“ in den 1950er und 60er Jahren

Chair
:
Axel Schildt (Hamburg)
Panel: Kristina Meyer (Jena), Jens Hacke (Halle), Alexander Gallus (Chemnitz)
Kommentar
: Eckart Conze (Marburg)

14.45–17.15 Uhr
Panel 2:

Umsetzung und Grenzen – Die Realität von „Wir wollen mehr Demokratie wagen“ in der Bundesrepublik Deutschland 1969–1974

Chair
: Michael Ruck (Flensburg)
Panel: Dietmar Süß (Augsburg)
, Elke Seefried (München/Augsburg), Bernhard Gotto (München)
Kommentar: Andreas Rödder (Mainz)

17.45–18.45 Uhr
Vortrag:

Martin Sabrow (Potsdam):
Zeit(w)orte in der Zeitgeschichte

Mittwoch, 20. September 2017

09.00–11.30 Uhr
Panel 3:

Vorreiter oder Nachhut? „Mehr Demokratie wagen“ im internationalen Vergleich

Chair: Bernd Greiner (Hamburg)
Panel: Hélène Miard-Delacroix (Paris),
Philipp Gassert (Mannheim), Martina Steber (München)
Kommentar: Norbert Frei (Jena)

11.45–12.45 Uhr
Vortrag:
Frank Bösch (Potsdam): „Mehr Diktatur wagen“? Der bundesdeutsche Umgang mit undemokratischen Staaten in den 1970/80er Jahren

14.00–16.30 Uhr
Panel 4:

Folgen und Mythos – Die Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte von
Wir wollen mehr Demokratie wagen“
Chair: Claudia Weber (Frankfurt/Oder)
Panel: Knud Andresen (Hamburg),
Robert Brier (London), Daniela Münkel (Berlin)
Kommentar
:
Andreas Wirsching (München)

16.45–17.30 Uhr
Resümee und Schlussdiskussion

18.45–20.15 Uhr
Öffentliche Podiumsdiskussion:
Mehr Demokratie wagen“ heute und morgen: Vom Auftrag zum Albtraum der Politik?
Heinz Bude, Wolfgang Gründinger, Christiane Hoffmann, Paul Nolte, Anja Reschke

Moderation
: Ulrich Schöler (Berlin)

Fragen zur Tagung beantwortet Ihnen
Dr. Wolfgang Schmidt .

Kabinett Brandt/Scheel bei Bundespräsident Heinemann, Okt. 1969 (IV). Foto: Bundesregierung/ Ludwig Wegmann