15.09.2018

24. Oktober: "... dass gegen Abend ,etwas' geschehen solle."

Lesung mit dem Schauspieler Hanns Zischler

Am Mittwoch (9. November) wurde ein polnischer Staatsangehöriger, Inhaber eines kleinen Ladens, von arischen Bekannten gewarnt, dass am Abend gegen halb elf Uhr 'etwas' geschehen solle. Gegen drei Uhr beschlossen wir, die Wache [vor dem Gemeindehaus] für diese Nacht einzustellen. Um fünf Minuten vor fünf Uhr fuhr ein kleiner Wagen vor, aus dem vier S.S.-Leute sprangen. Es wurde kurz geschellt und an die Tür geklopft. Gleichzeitig wurde bereits begonnen, die Scheiben von außen einzuschlagen. Einige S.S.-Leute kletterten herein und zerschlugen in der Küche das zum Spülen aufgestapelte Geschirr sowie Stühle, Tische und die sonstige Einrichtung.“ (Heinz Nassau, Essen)

Noch im November 1938 emigrierte Heinz Nassau in die Niederlande, wo er diese Erlebnisse vor dem Jewish Central Information Office in Amsterdam zu Protokoll gab. Bis Kriegsbeginn sammelte das Information Office mehr als 350 Augenzeugenberichte aus dem gesamten Deutschen Reich: Ein einzigartiges und zeitnah entstandenes Panorama der Gewalt gegen die jüdische Bevölkerung.

Der Schauspieler Hanns Zischler liest ausgewählte Texte aus dieser Sammlung sowie aus Erinnerungen an die Terrornacht in Lübeck, ergänzt um Berichte von Zuschauern und Tätern. Die Lesung wird in allen Ausstellungsräumen des Willy-Brandt-Hauses zu hören sein. Sie sind herzlich eingeladen, sich während der Lesung durch die Räume zu bewegen. Es gibt keine festen Sitzplätze.

Nadine Kowol, Musikhochschule Lübeck, danken wir für die musikalische Begleitung auf der Querflöte.

"... dass gegen Abend ,etwas' geschehen solle."
Lesung mit Hanns Zischler
Datum: Mittwoch, 24. Oktober 2018, 20.00 Uhr, Einlass ab 19.30 Uhr
Ort: Willy-Brandt-Haus, Königstraße 21, 23552 Lübeck

Die Veranstaltung ist ausgebucht. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: haus-luebeck@willy-brandt.de

Die Sonderausstellung "Es brennt!" Antijüdischer Terror im November 1938 ist noch bis zum 28. Oktober zu sehen.

 

Hanns Zischler. Foto Jennifer Fey