13.09.2018

5. September bis 28. Oktober: Sonderausstellung: "Es brennt!"

Antijüdischer Terror im November 1938

Vor 80 Jahren - am 9. und 10. November 1938 - brannten in Deutschland mehr als 1200 Synagogen. Das Ausmaß der Gewalt markierte einen unübersehbaren Wendepunkt im Leben der Juden in Deutschland: Sie waren der Staatsmacht und Bevölkerung schutzlos ausgeliefert.

Die Sonderausstellung "Es brennt!" Antijüdischer Terror im November 1938 nähert sich dieser Ohnmachtserfahrung über die Geschichte von 24 Synagogen. Zeitgenössische Amateuraufnahmen dokumentieren ihre Schändung und Zerstörung. Vor allem aber fragt sie mit überlebensgroßen Fotografien aus der Schreckensnacht nach der Rolle der Zuschauer.

Eine eigens für diese Ausstellung kuratierte Tafel erinnert an die besondere Geschichte der Lübecker Synagoge.

Täglich von 11-18 Uhr geöffnet. Führungen buchbar unter haus-luebeck [at] willy-brandt.de

Veranstaltungsprogramm

LANGE NACHT DES FILMS
Samstag, 1. September 2018, 15.30 bis ca. 23.30 Uhr
Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss

Die Ausstrahlung der US-Fernsehserie 1979 gilt als Meilenstein der deutschen Erinnerungskultur: Das Schicksal der Familie Weiss regte unerwartet breite Teile der Öffentlichkeit zur Auseinandersetzung mit dem Massenmord an den Juden an. Wir zeigen – zwischen den Transportkisten und vor dem Aufbau der Ausstellung – alle vier Folgen ohne Unterbrechung.
Unser Haus ist während dieser Zeit durchgängig geöffnet.

VERNISSAGE MIT DISKUSSION
Donnerstag, 6. September 2018, 19.00 Uhr
„Wie wird man diesen Tag in der Geschichte nennen?“

Podiumsdiskussion über Bedeutung und Erinnerung an das reichsweite Pogrom mit Linde Apel, Leiterin der „Werkstatt der Erinnerung“ Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg, Ulrich Baumann, stellv. Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und Kurator der Ausstellung „Es brennt!“, und Mark Inger, Büroleiter und Sprecher der Jüdischen Gemeinde Lübeck Moderation: Wolfgang Schmidt, Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung.

VORTRAG
Montag, 1. Oktober 2018, 19.00 Uhr
Volksgemeinschaft als Selbstermächtigung: Gewalt gegen Juden in der deutschen Provinz

Michael Wildt, Lehrstuhl für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit einem Schwerpunkt in der Zeit des Nationalsozialismus an der Humboldt-Universität zu Berlin. Moderation: Jan Lokers, Direktor des Archivs der Hansestadt Lübeck        

Nach 1933 brach sich Ausgrenzung, Unterdrückung und Entrechtung der jüdischen Bevölkerung allerorten in Deutschland Bahn. Das war jedoch nicht allein von der Parteiführung aufoktroyiert, sondern wurde ebenfalls "von unten" forciert, wobei sich Bevölkerung und NS-Führung gegenseitig radikalisierten. In seinem Vortrag analysiert Michael Wildt, wie sich eine bürgerliche Zivilgesellschaft in eine rassistische, gewaltätige Volksgemeinschaft verwandelte - auch und gerade in kleineren Städten und der Provinz.

FINISSAGE MIT LESUNG
Mittwoch, 24. Oktober 2018, 20.00 Uhr
„...dass gegen Abend etwas geschehen solle.“

Der Schauspieler Hanns Zischler liest aus Berichten von Opfern, Tätern und Zuschauern der Pogromnacht.

.

(c) Kristina Gunne, Willy-Brandt-Haus